1950

1950 – Der erste Kindergarten.

An einem schönen sonnigen Tag spielte ich mit meinen Geschwistern im Garten, als Mutter mir zurief: „Hildegard, komm ins Haus! Ich habe dir etwas zu sagen!“
Zögerlich folgte ich und ging zu ihr ins Wohnzimmer. Zusammen mit ihr saß dort Frau Scholz, eine ihrer Bekannten. (Jetzt im Nachhinein denke ich es könnte auch eine entfernte Verwandt gewesen sein aus der Linie Lauw.) Diese war bereits öfters mit ihren beiden Töchtern zu Besuch bei uns gewesen, also kannte ich sie. Von ihr wußte ich, daß sie eine Kriegswitwe war und allein für ihre Kinder sorgte. Aber heute aber war sie ohne die Beiden gekommen.
„Hör zu, Hildegard!“ sagte meine Mutter, „Frau Scholz wird dich für einige Zeit mit zu sich nehmen. Pack’ also einige Kleider ein, Vater fährt euch dann zu ihrer Wohnung.

So einfach war das! Es wurde bestimmt und ich hatte zu folgen.

Und so verbrachte ich wieder einmal einige Tage bei anderen Menschen.

Die beiden Töchter von Frau Scholz, waren im Gegensatz zum mir bereits Schulkinder. Doch trotz des Altersunterschiedes waren sie sehr nett zu mir. Und weil gerade Schulferien waren, beschäftigten sie sich auch mit mir, so daß ich keine Langeweile empfand. So unternahmen wir einmal an einem Nachmittag einen Ausflug zur nahen Donau. Ihre Mutter hatte uns aber verboten, trotz des warmen Wetters, dort zu baden. Ich nehme an, wegen der Gefährlichkeit der Strömung. So schlenderten wir am Ufer entlang, fingen winzig kleine Fischchen und taten sie samt Donauwasser in ein mitgenommenes Einwegglas.

Zu diesem Ausflug hatte ich ein schönes Kleidchen angezogen, und Frau Scholz hatte mir aufgetragen, darauf aufzupassen und es nicht schmutzig zu machen.

Aber auf dem Nachhausweg geschah es dann doch! Weil wir nicht denselben Weg zurück nahmen, gerieten wir an eine matschig-lehmige Stelle. Um nicht umkehren zu müssen, zogen wir unsere Schuhe aus und wateten vorsichtig hindurch. Die beiden größeren Mädchen schafften es mühelos, nur mir gelang es nicht. Plötzlich rutsche ich aus und fiel hin. Als ich wieder aufstand, war das Kleidchen voller Lehm. Schreck durchfuhr mich eingedenk der Ermahnung, es nicht zu beschmutzen. Ich glaube, ich habe deswegen sogar zu weinen angefangen.

Angesichts der Bescherung waren auch die beiden Mädchen ziemlich betroffen. Sie versuchten es zu reinigen, aber es ging natürlich nicht. So gingen wir bedrückt den restlichen Weg nach Hause. Ich befürchtete eine Standpauke ihrer Mutter, und den beiden Mädchen wird es nicht anders ergangen sein, hatten sie doch den Auftrag, auf mich zu achten.

Glücklicherweise wurde es aber nicht so schlimm, wie wir gedacht hatten. Aber die Folge dieses kleinen „Unfalls“ war, daß Frau Scholz mich für die restlichen Tage, die ich bei ihr verbringen sollte, in dem nahe gelegenen Kindergarten anmeldete.

Liebe Buben, ihr kennt sicherlich das Gefühl, wie es einem geht, wenn über den eigenen Kopf hinweg bestimmt wird und man kann nichts anders tun als zu gehorchen. Aber anders als bei euch, die Vater und ich frühzeitig nach Neigungen gefragt und Wünsche respektiert haben – natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten -, war es in meiner Kindheit und Jugend anders. Meine Neigungen und Wünsche wurden meistens weder erkundetet und, wenn ich sie von selbst äußerte, kaum beachtet. So wurde ich hin und hergeschoben, und meine Mutter wunderte sich in späteren Jahren, daß ich so rebellisch wurde. Es funktionierte ja schließlich bei meinen Geschwistern! Warum nur war ich so anders? Das hing damit zusammen, daß ich zwar lange naiv, aber nicht auf den Kopf gefallen war, und die Ungereimtheiten ihrer Erziehung mich wütend machen konnten.

Und so war es mit dem abgeschoben werden in den Kindergarten.

Ich hatte gegen eine Regel verstoßen, auch wenn ich den Unfall mit dem Kleidchen nicht mit Absicht herbeigeführt hatte und mußte dafür gerade stehen. Dabei war ich gerademal vier Jahre alt! Aber ohne Widerstand befolgte ich, was man von mir erwartete. Aber es mutete mich seltsam an, auf einmal zu solch einem Ort gebracht zu werden.

Man erreichte ihn von der Straße aus über viele Treppen, da er an einem Hang gebaut war.

Wie viele Tage ich dort zubrachte, weiß ich nicht mehr. Mir kam es nur wie ein Tag vor. Ich erinnere mich an einen großen hellen Raum und als Besonderheit an einen so geräumigen Kinderkaufmannsladen, den man hinter der Theke stehend bedienen konnte. So einen großen Spielzeugladen hatte ich bis dahin noch nie gesehen. In meinen Augen war er ein Wunder, das ich nie vergaß und mir die dortigen Tage leicht machte, so daß die Strafzeit dort eigentlich keine war.

Inzell

Viele der schönsten Erinnerungen an meine Kindheit besitze ich an diesen Ort.

Meine erste Fahrt dorthin, an die ich mich bewußt erinnern kann – ich werde so drei oder vier Jahre alt gewesen sein – war eine kuriose.

Weil kurz nach dem Krieg Benzin noch rationiert war, verteilten uns unsere Eltern – wir waren inzwischen sechs Kinder – , samt Kindermädchen in einen Lastwagen und einen schwarzen Ford, der mit einer Stange hinten an dem Lastwagen befestigt war, so daß Vater dafür kein extra Benzin brauchte. Und so fuhren wir los!

Viel war ja damals auf den Straßen nicht los, aber die wenigen Autofahrer, die uns begegneten, müssen über unseren „Zug“ ganz schön gestaunt haben.

Kurz hinter Inzell, im sogenannten „Café Zwing“ bezogen wir Quartier bei „Sepp und Rosi“.

Diese Ehepaar hatte mein Vater in seiner Jungmännerzeit, während einer seiner vielen Bergwanderungen kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet.

Damals noch kinderlos, aber mit dem herzlichen Wunsch nach solchen, nahmen sie uns Schar freundlich auf. Wir jüngeren Kinder – Inge und ich – und die Liesel bekamen zum Übernachten ihr Schlafzimmer mit dem großen Doppelbett. Auf einer Anrichte des Zimmers stand das damals übliche bunte Waschgeschirr (fließendes Wasser in den Zimmern war noch nicht üblich) welches mich – weil ungewohnt – faszinierte.

Meine älteren Geschwister – Helga, Helmut, Reinhard und Eckard – bekamen eine kleine leere Kammer zugewiesen, in die eine dicke Schicht Heu eingestreut wurde. Darauf kamen Decken, Kissen und Zudecken. Ich glaube, sie haben herrlich dort geschlafen! Jedenfalls beschwerten sie sich nie.

Den Luxus Ferien machen zu können, hatten zu dieser Zeit nicht viele Leute und Ansprüche stellte man noch wenige. Man war mit dem zufrieden, was man bekam.

Aber solche Gedanken bewegten uns Kinder natürlich nicht. Wir genossen die Freiheiten und Annehmlichkeiten die uns „Café Zwing“ bescherte.

Z.B. führten der Sepp und die Rosi den tollen Brauch ein, daß wir den dicken Schaum, der beim Zentrifugieren ihrer Milch entstand, in eine Tasse schöpfen durften und ihn mit so viel Zucker, wie wir wollten, löffeln durften. Eine Herrlichkeit für uns Nachkriegskinder, die wir leidlich ausnutzten. Verboten war uns lediglich, von dem anfallenden Rahm zu nehmen. Ob meine Geschwister sich je daran gehalten haben weiß ich nicht, ich konnte jedoch der Versuchung nicht widerstehen und habe manchmal davon genascht. Und falls Sepp und Rosi dies gemerkt haben sollten, haben sie nie darüber gesprochen und ein nochmaliges Verbot ausgesprochen. Sie ahnten es wohl, duldeten es aber stillschweigend, weil sich unsere Naschsucht in Bezug auf die Sahne in Grenzen hielt. So klein ich war, wußte ich ihr Verhalten irgendwie instinktiv zu deuten und liebte sie dafür umso mehr.

Alles war wunderbar dort. In einem kleinen Geräteschuppen wurde für Inge und mich Platz geschaffen, so daß wir unser eigenes kleines Puppenhaus hatten.

Hinter dem Haus stand außerdem eine Schaukel für uns Kinder. Und diese war aber keine gewöhnliche, wie ich sie vom Spielplatz in der Nähe unseres Hauses her kannte. Oh nein! Es war eine Spezialschaukel und groß obendrein!

In einem Abstand von circa zwei Metern waren jeweils zwei dicke Holzstangen parallel voneinander im Boden verankert, die oben eine feste Eisenstange verband. Daran hingen zwei lange Ketten, die eine Schlaufe hatten und darauf hatte der Sepp ein dickes, glatt gehobeltes Brett gelegt. Auf diese Art war eine so große Schaukel entstanden, daß alle 6 Kinder auf einmal darauf sitzen konnten. Und das taten wir auch. Und weil wir kleine Früchten waren, ist es fast verwunderlich, daß bei all dem Unfug, den wir auf der Schaukel anstellten – denn wir schaukelten z.B. auch freihändig im Stehen – sich nie einer von uns dabei verletzte.

Wir verletzten uns auch nicht, wenn wir auf einer etwas wackeligen Holzleiter den Heuboden erklommen und dann hinuntersprangen auf den darunter liegenden Heuhaufen, obwohl ein Holzrechen in seiner Nähe an der Stadelwand lehnte. An den erinnere ich mich ganz deutlich. Es kam auch niemand auf die Idee, ihn weiter weg zustellen, wir vertrauten einfach auf unser Glück. Aber meistens dachten wir sowieso nicht groß darüber nach was wäre, wenn….

Überhaupt liebte ich den Heuboden sehr. Oft wühlte ich mich ins Heu hinein und genoß den Duft der getrockneten Gräser. Oder wir spielten darin verstecken.
Was für herrliche Zeiten! So ungebunden und frei!
Wie oft habe ich euch beiden, meine Söhne, bedauert, daß ihr so etwas nicht erleben konntet. Andererseits konntet ihr nicht vermissen, was ihr nicht kanntet.

Ein anderes Erlebnis, welches aber im Jahr darauf oder noch ein Jahr später, aus einem Urlaub im „Café Zwing“ in meinem Gedächtnis haftet, berichte ich euch an dieser Stelle, weil es mir gerade dazu einfällt.

Es war wegen Reinhard, meinem zweitältesten Bruder, der mich dort einmal derart in ungerechtfertigter Weise ärgerte, daß ich in Tränen ausbrach. Sepp, zu dem ich jammern lief, fragte mich gleich besorgt nach dem Grund. Da ich sein besonderer Liebling (und sicherlich auch, weil ich so ein zartes Elfchen war), war er stets bereit, mir beizustehen und mich zu beschützen. Aber er schlug Reinhard nicht etwa, um ihn für das, was er mir angetan hatte zu bestrafen. Nein, das tat er nicht – wie wir überhaupt auch von den Eltern nur selten Schläge bekamen -, er nahm den Schlingel hoch und rieb dessen Gesicht derb an seiner unrasierten Wange. Das war Strafe genug und tat auch weh, denn nun kamen selbst dem robusten Jungen ein paar Tränchen Das rührte den Sepp aber nicht, was mich insgeheim freute. Immer wieder tratzten mich meine älteren Brüder, ohne daß meine Mutter eingriff, so daß ich die Strafe gerecht fand.
Um mir noch mehr Trost zu spenden, setzte mich Sepp auf sein altes klappriges Motorrad und fuhr mit mir zum „Gletschergarten“.

Dieser „Gletschergarten“ – eine Sehenswürdigkeit in der Inzeller Gegend – ist eine felsige, vom letzten zurückweichendem Gletschereis blank geriebene ziemlich steile Wand, die man über Holztreppen erklettern kann und bestaunen.

Während der Sommermonate hatte sich am Fuß dieser Wand ein Eisverkäufer postiert und verdiente sich etwas von den vorbeikommenden Touristen. Dieser Eisverkäufer war nun Sepp’s Ziel. Er kaufte zwei Tüten, hoch aufgetürmt mit Eis (welche eine üppige Köstlichkeit!!!) und gab mir zum Halten in jede Hand eine. Und so fuhren wir zurück. Aber mit den beiden Tüten in den Händen konnte ich mich nun bei ihm nicht mehr anklammern! Und obwohl er mit diesem Wissen sehr vorsichtig fuhr, passierte doch etwas.

Ihr müßt wissen, daß damals viele Straßen noch ungeteert war und in gewissen Abständen zogen sich Holzrinnen quer über die Straße (bei manchen Bergwegen findet man es heute noch), damit bei Regen das Wasser schnell ablaufen konnte. Nun waren diese Hölzer aber nicht immer so eben eingebettet, daß man erschütterungsfrei darüber fahren konnte.
Jedenfalls taten Sepp und ich unser Bestes, um das Eis sicher in unser Quartier zu bringen. Behutsam überquerte er jede Schwelle und ich hielt die beiden Tüten mit ausgestreckten Händen von mir ab, denn in der in der Wärme des Tages begann das Eis langsam in Tropfen herunterzulaufen. Dann kam eine besonders holprige Stelle. Das Motorrad machte einen kleinen Hüpfer und von einer der Tüten sprangen – zu meinem Schreck – der Eishaufen herunter. Sepp hielt sofort an. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, den Haufen, der aus mehreren verschiedenen Fruchtkugeln bestand, dort liegen zu lassen. Er packte die verschmutzten Kugeln zurück auf die Tüte und sagte trösten zu mir: „Den Schutz waschen wir einfach ab. Das meiste davon kannst du noch essen!“

Den Rest des Weges schafften wir ohne weitere Vorkommnisse.

Im „Café Zwing“ angekommen, reinigte Sepp die tropfenden Eiskugeln von Staub und Steinchen, und ich ließ mir den Rest „und“ die der anderen Tüte, die eigentlich für meine Geschwister bestimmt gewesen war, die er mir aber nun, da die Heruntergefallene kleiner als gedacht ausfiel, auch schenkte, schmecken. Beobachtete wurde ich von den neidischen Blicken meiner Brüder und Schwestern. Aber so gut konnte das Eis gar nicht schmecken, daß es nicht von dem Hochgefühl übertroffen wurde, daß jemand sich für mich und nur für mich einsetzte.

Ich liebte ihn dafür, und meine Liebe war ihm nie lästig. So oft es ging hielt ich mich in seiner Nähe auf. So kam es, daß er mich auch einmal mitnahm, als er mit dem Traktor nach Inzell fuhr. An diesen Tag erinnere ich mich noch besonders gut, denn so wie der Ort damals ausgesehen hat, ist er im Wandel der Zeit und der Jahre, in denen ich ihn immer wieder einmal besuchte, natürlich nicht geblieben.

Wenn man diese schöne Ortschaft heute sieht, kann man sich kaum mehr vorstellen, was für ein kleines „Örtchen“, was für ein „Kaff“ es in den fünfziger Jahren war.

Der Tag, an dem wir fuhren, war sonnig und warm. Geruhsam tuckerten wir die wenigen Kilometer bis in den Ort, der von unserer Seite aus gesehen links neben der Überlandstraße lag.

Diese war damals allerdings bereits geteert. Aber kaum, daß wir abbogen, holperten wir über die staubige, mit Schlaglöchern versehene Dorfstraße. Sepp fuhr, soweit ich mich erinnern kann, zu einem Lagerhaus an dem einen Ende von Inzell. Dort ließ er mich absteigen. Und während er seinen Geschäften nachging, sah ich mich um. Viel gab es wahrlich nicht zu sehen. Ich war an dem einen Ende und konnte mit Leichtigkeit an dem anderen einen gelben Postbus erkennen. Es war einer von diesen irgendwie quadratisch-eckigen Bussen, mit einer eckigen vorstehenden Kühlerhaube. Heute sieht man so etwas ja nicht mehr, aber damals war es ein gebräuchliches Beförderungsmittel. Er fiel mir auf, weil er so einsam und leer in der Mittagsonne stand und scheinbar keinerlei Fahrgäste fand. Gelbes Auto auf staubiger, hellgrauer, durchlöcherter Straße!

In der Mitte zwischen mir und dem Bus befand sich die Kirche und das Gasthaus zur Post – Lokalitäten, die heute noch Bestand haben. Ansonsten nur noch einige wenige Häuser. Daß war schon alles!

Und was ist aus diesem „Kaff“ schließlich geworden, als wuchs und erwachsen wurde?!

Ein Ort, international bekannt durch sein Eislaufstadion, mit wunderschönen alpenländischen Wohnhäusern, großartigen Hotels und vielem mehr.

Aber damals war Inzell – verzeiht den Vergleich – so klein wie ich, als Sepp mich zum ersten Mal dorthin mitnahm.

Damit schließe ich erst einmal diese Geschichte. Aber es werden immer wieder welche auftauchen, denn Inzell und das „Café Zwing“ spielten noch einige Rollen in meinem Leben.

Nur folgendes noch, weil es mir gerade einfällt und es zu den frühesten Ereignissen aus meiner Kindheit gehört!

Einige Jahre, nach dem ersten Urlaub meiner Eltern mit uns Kindern in Inzell, adoptierten der Sepp und die Rosi, da ihnen ein eigenes Kind verwehrt blieb, ein kleines Mädchen.

Und als erwachsene Frau kam mir der Verdacht, daß ich dieses kleine Mädchen hätte sein können, weil ich von den Erzählungen meines Vater wußte, daß mich einmal ein Ehepaar unbedingt adoptieren wollte. Er sagte mir nie, wer dieses Ehepaar gewesen war und ich fragte auch nie danach. Aber heute bin ich mir ziemlich sicher, daß das Ehepaar, das mich haben wollte, nur der Sepp und die Rosi gewesen sein konnten. Sie mußten sich gedacht haben, daß ein Kind weniger für meine Eltern keine Rolle spielen würde. Im Gegenteil! Hätte sie mich ihnen gegeben, wäre es eine Last weniger für sie gewesen. Wahrscheinlich bekamen die beiden mit, daß meine Mutter mich von allen ihren Kindern am wenigsten mochte und hatten sich deshalb eine Chance ausgerechnet.

Aber meine Eltern gaben mich nicht her!

Ach, hätten sie es doch nur getan!!! Wieviel mehr Liebe und Führsorge hätte ich bei den „Zwingern“ als ihr Einzelkind erhalten. Nie wäre ich so zu der Außenseiterin im Kreis meiner Geschwister geworden, die meine Mutter – mehr oder weniger bewußt – aus mir gemacht hatte.

———————————– Ihr, meine lieben Söhne, die ihr so behütet und beschützt aufgewachsen seid, könnt kaum nachempfinden, wie schwer es für mich in meiner Kindheit manchmal war. Dabei war mein Bewußtsein in meiner Kindheit natürlich nicht geschärft, so daß ich immer nur ein wages Gefühl der Unzulänglichkeit hatte. Ein Gefühl der Schuld, als sei das, was ich war mein persönliches Verschulden.