Einleitung und Vorwort

Einleitung.

Alle Geschichten, die man hier lesen kann, entsprechen völlig der Wahrheit. Nichts wurde von mir erfunden, was auch nicht nötig war, denn das Leben ist auch so aufregend genug.

Ich selbst habe mich früher oft meine Handlungen geschämt und dann versucht sie zu verbergen. Wesentlich älter geworden lernte ich damit umzugehen, weil ich aus schmerzlich gemachten Erfahrungen irgendwann erkannte, daß vieles von dem, was wir tun, dem Gesetzt, von „Aktion und Wirkung“ erliegt. Und darum bin ich mir heute nicht mehr böse (nur noch beschämt), wenn ich an meine „Jugendsünden“ denke, denn ich weiß, daß ich damals nicht anders handeln konnte.

Erst als junge verheiratete Frau ging mir auf, daß ich mit einer Mutter im Hintergrund, die mich nie so geliebt und behandelt hat, daß ich mich sicher und geborgen fühlte, immer wieder mal unvernünftig handelte. Es hat deshalb so lange gedauert, weil ich dachte, ihr Verhalten sei völlig normal, und meinen Geschwistern ging es ja ähnlich wie mir. Aber das werde ich jetzt nicht weiter ausführen. Aber ich habe mir darüber über viele Jahre Notizen gemacht und eine Menge Briefe aus ca. 60 Jahren aufgehoben.

Ach ja, diese Briefe. Sie lagen abgeheftet und unbeachtet in einem Ordner und ihr Inhalt geriet in meiner Erinnerung mehr und mehr in Vergessenheit. Und dann verlor ich sie beinahe! Kurz nach meiner Hochzeit fragte ich meinen Mann, ob ich sie vernichten soll. Und wahrlich, ich sage euch, wenn er das von mir verlangt hätte, dann hätte ich es auch getan, so groß war mein Wille ihm zu gefallen. Aber er bestand nicht darauf und ich konnte damals noch nicht ahnen, welch großen Gefallen er mir damit tat.
Als ich schließlich den Ordner einmal hervorholte, darin blätterte und den einen und anderen Brief durchlas, war ich inzwischen Mutter von zwei Söhnen geworden. Und ich war gereift, denn ich erkannte nun sofort und mit großer Erleichterung, welch ein Schatz erhalten wurde – zumindest für mich.
Diese Briefe bewirkten unter anderem, daß meine Erziehung meiner Söhne weitgehendst in Beziehung zur Realität stand. Oftmals ließ mich dieses Wissen lächeln, wenn meine Söhne Fehler machten oder Unarten entwickelten, wo andere Eltern straften: In solchen Situationen zog mein Mann dann manchmal höchst erstaunt die Augenbrauen hoch oder schimpfte mich folgendermaßen aus: „Also, ich verstehe NICHT, wie du DA noch lachen kannst!“ Und weil er recht hatte, beherrschte ich mich bei wichtigen Dingen, denn ich durfte sie nicht in ihrem Fehlverhalten auch noch bestärken. Aber in mich hineinzulachen, daß konnte mir niemand verbieten.

Apropos Strafe: Wir neigen dazu – und da schließe ich mich nicht aus – gerade da überzureagieren bei Fehlern unserer Kinder, die wir selbst mühevoll bei uns ausgemerzt haben. Oder ist es nicht so?

Was mir schließlich beim Lesen meiner Briefe noch auffiel war, daß ich einen rechten Verschleiß an männlichen Bekannten in meiner Jugend hatte. Mit dieser Erkenntnis kam auch die Frage in mir auf, warum das so war. Ich dachte nach und fand die dazu passende Antwort, die ja nahe lag und die man sich denken kann: Es war natürlich meine Mutter und ihr Verhalten mir gegenüber in meiner Kindheit und Jugend. Immer wieder von ihr abgelehnt, war ich so verunsichert, daß ich mich vor allem Menschen gegenüber, die ich dachte zu lieben, komisch benahm. Diese Verunsicherung vernebelte mein Gehirn und beeinflußte meine Kontrolle über meinen Körper. Entsprechend gab ich mich dann im Umgang mit dem von mir geliebten Mensch. Die Quittung war, daß sie mich nicht ernst nahmen, weil ich selbst es auch nicht tat. Mein Verhalten zeigte ihnen, daß sie mich ausnützen, manipulieren und verletzen konnten, denn ich wehrte mich ja nicht dagegen, weil ich ihnen gefallen und sie behalten wollte – immer eine schlechte Ausgangsposition für eine Freundschaft. Und der eine und andere hat das auch getan oder versucht.

Völlig anders war es bei Menschen, die ich zwar gern mochte, aber in die ich nicht verliebt war. Bei solchen entwickelte ich durchaus ein gesundes Selbstbewußtsein, weil keine Angst in mir aufkam, ich könnte sie verlieren. Unbelastet gab ich mich dann so, wie ich war: Lustig oder ernsthaft, temperamentvoll oder einfühlsam, fordernd oder neckend, ehrlich und leider manchmal auch verletzend. Dann kam es vor, daß ich auf einmal von einem männlichen Wesen geliebt wurde, an dem mir nichts lag und das plötzlich recht lästig und aufdringlich wurde.
Von den meisten trennte ich mich dann – je nach dessen Verhalten – mit mehr oder weniger Skrupel rasch. Weshalb ich doch an dem einen und anderen länger kleben blieb, kann man den verschiedenen Geschichten entnehmen.

Zum Schluß noch eines: Heute bin ich ein glücklicher, zufriedener Mensch! Ich mußte im Leben viel Kummer und Leid ertragen und arbeitete, angetrieben von dem Willen einiger Menschen, die mir nahe standen, manchmal bis zur völligen Erschöpfung. Aber irgendwann habe ich dann begriffen, daß dazu immer Zwei gehören: Der, der das mit dir tut und du, der sich das gefallen läßt. Da habe ich endlich angefangen, dagegen anzugehen und um ein besseres Leben zu kämpfen!

Für meine zwei Söhne.
Vorwort
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Meine geliebten Söhne, als im Dezember 1997 meine Mutter, euere Omi, starb, erschütterte mich das mehr, als ich es je für möglich gehalten hatte. Diese Frau, die mir im Grunde immer fremd geblieben ist, hat mich wohl auch nie so geliebt, wie ich euch. Und wenn ich heute über sie nachdenken, dann wird mir bewußt, daß ich kaum etwas von ihr weiß. Das macht mich sehr traurig, denn ich selbst habe sie sehr geliebt und mich nur deshalb eines Tages von ihr zurückgezogen, weil ich es nicht länger ertragen konnte, von ihr abgelehnt zu werden.

Inzwischen seid ihr fast erwachsene Männer und führt euer eigenes Leben. Sozusagen gezwungener Maßen, da ich euch und eueren Vater vor einem Jahr verlassen habe. Doch glücklicherweise nicht für immer, da ihr und euer Vater mich hier in meinem gewählten Domizil besuchen kommt, wann immer ihr könnt und wollt.

Obwohl gerade dich, mein Jüngster, mein Wegzug, der uns nun 170 km von einander trennt, schwer traf, hat sich die schlimme Situation, die ein Jahr vorher zwischen uns herrschte, inzwischen entspannt. Das macht mich glücklich, denn darunter habe ich sehr gelitten. Aber manchmal muß man sich erst trennen, um wieder zueinander zu finden. Und du meisterst dein Leben wirklich großartig. Genauso wie dein Vater und Florian, dein älterer Bruder. Das macht mich stolz auf euch, habe ich doch hier nicht versagt, genauso wenig wie ihr, die ihr eventuell nicht für möglich gehalten habt, daß es auch ohne mich geht.

Aber die Dinge verändern sich laufend. Nach 25 Jahren Ehe mußte ich für uns alle neue Weichen stellen, da mir niemand das abnahm. Und nun, nachdem ich fast ein Jahr getrennt von euch lebe, ihr nur noch sporadisch auf Besuch kommen könnt und ich mich von euch erholen kann, bin ich wieder viel fröhlicher und ausgeglichener als all die Jahre vorher. Ihr wißt ja selbst, wie genervt und gereizt ich häufig war. Aber da ich euch von ganzem Herzen liebe, sollte es so nicht weiter gehen. Ich hatte große Angst, daß ihr mich eines Tages ablehnen würdet, so belastet wie ich war. Und diese Angst war nicht ganz unbegründet, weil du, Christoph, mein Jüngster, bereits anfingst, dich von mir abzuwenden, da meine Probleme dich zu sehr belasteten. Trotzdem hast gerade du sehr zornig reagiert, als ich dann Hals über Kopf von Regensburg wegzog. Zornig warst du und voller Unverständnis. Zum ersten Mal in deinem Leben mußtest du auf all den für dich selbstverständlichen Service, den deine Mutter dir immer geboten hatte, verzichten.

Wie weh mir das tat! Ich tat diesen Schritt doch nicht leichtfertig!

Und dann mußtest du auch noch mit dem Unverständnis der Leute aus deiner Umgebung fertig werden, die meinen Schritt nicht gut hießen. Ich gebe zu, daß ich, in der schlimmen Lage, in der ich mich befand, bewußte deine damaligen Schwierigkeiten ignorierte. Ich dachte nur noch stundenweise, um weiterleben zu können. Und wenn ich mir erlaubte an dich und deine Lage zu denken, dann tat ich das in der Hoffnung, daß dein guter Charakter damit fertigt wird, was sich glücklicherweise bestätigt hat.

Du und Florian, ihr seid großartige Söhne. Ihr gebt jetzt an Liebe und Zuwendung zurück, was euer Vater und ich jahrelang euch gegeben haben; eine stetige Hoffnung von mir, die sich nun erfüllt.

Und damit es euch nicht so ergeht wie mir mit meiner Mutter, beschreibe ich euch in Geschichten mein Leben. Es sind traurig und fröhliche Geschichten; eben so, wie das Leben es austeilt.

Mit all meiner Liebe, euere Mutter.