Hallo, Besucher meiner Seite!

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Ich habe ein neues Kapitel angefangen. Es heißt “Mieter contra Vermieter” und schildert meine Erfahrungen aus meiner Mietzeit von 2011 – 2021.

Auf diesen Seite kann man meinen Lebenslauf verfolgen, den ich laufend erweitere, auch wenn es manchmal etwas dauert, weil ich auch mit andren Dingen beschäftigt bin.
Auch ist eine alte Frau mit 75 Jahren kein Schnellzug!

Gewidmet ist sie meinem Mann Josef, meinen Söhnen Florian u. Christoph, meiner Schwiegertochter Conny und meiner Enkeltochter Chantal – die ich alle von Herzen liebe.
Ein besonderer Dank geht an meinen Mann, der die Überprüfung der Rechtschreibung übernommen hat.
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Bitte beachten Sie, daß ich die Seite “1946” geändert habe.

Erläuterungen zu meinen Aufzeichnungen.

Als ich mit diesen Aufzeichnungen begann, tat ich es aus Wut und maßlosem Frust. Seit Jahren entzog sich mir mein Mann häufig, wenn ich Zärtlichkeiten und Sex von ihm wollte und meine Söhne Florian und Christoph -damals fünfzehn und neunzehneinhalb Jahre – trampelten auf meinen Nerven und Gefühlen herum. Über dreiundzwanzig Jahre hielt ich das nun schon mehr oder weniger gut aus, weil ich immer an meinen Eheschwur dachte, den ich geleistet hatte: »Haltet zusammen in guten wie in bösen Tagen.«
Aber irgendwann ist jedes Maß voll. Plötzlich setzte sich etwas in mir in Gang, das dort schon länger geschmort hatte. Wieder einmal hatte mich mein Mann zu einem Zeitpunkt, an dem ich seine Umarmung dringend als Trost gebraucht hätte, abgewiesen, so daß mir nur blieb, meinen Frust durch langanhaltendes Weinen abzubauen. Und als dann am darauffolgenden Montag auch noch unser jüngerer Sohn nicht rechtzeitig aus der Schule nach Hause kam, wo ich mit dem Essen auf ihn wartete, hakte es bei mir aus. Er rief zwar kurz an und sagte mir, er würde später kommen, weil er noch zu einem Freund ginge und fragte mich, ob es mir etwas ausmachen würde, da habe ich den Hörer nur noch wortlos aufgelegt. Zu gut kannte er die Gründe, weshalb er nach der Schule gleich heim kommen sollte, was hätte ich also darauf antworten sollen? Nun bin ich ja meistens recht nachsichtig und drauf baut meine Familie seit ehe und je, aber dieses Mal machte es mir etwas aus! Für was nahm ich die Mühe zu kochen auf mich, wenn er nicht rechtzeitig zum Essen erschien? Und wann würde er seine Schulaufgaben machen, wenn er, wie so oft, erst spät nach Hause kam? Sein Lehrer hatte mich bereits darauf hingewiesen, daß seine Versetzung in die nächste Klasse gefährdet war, wenn er nicht ab sofort mehr tun würde. Nach dem Telefonat stand ich wie verloren in der Küche. Auf dem Tisch stand das liebevoll gekochte Mittagessen und kühlte allmählich aus. Da brannte plötzlich eine Sicherung in mir durch. All die Zurückweisungen und Nachlässigkeiten meiner Familie während der vergangenen Jahre kamen mir in den Sinn und schlagartig überbrandeten mich heiße Wellen der Wut und des Frustes. Meine Knie wurden weich und ich zitterte am ganzen Körper. Mein Gehirn fühlte sich leer und voll zugleich an und eigenartig pelzig, als hätte ich eine Droge eingenommen. Deutlich spürte ich, daß, wenn ich jetzt nicht handeln würde, um diese negativen Gefühle loszuwerden, es ein nicht wieder gutzumachendes Unglück gäbe. Ich stand kurz davor völlig auszurasten! Urplötzlich verstand ich, wieso manche Menschen wild um sich herumschlagen oder Wohnungseinrichtungen zertrümmern – sie mußten sich nur in dem Zustand befinden, in dem ich mich jetzt befand. Zum Glück verhinderte ein winziger Rest von Vernunft das Schlimmste. Anstatt um mich zu schlagen und zu zerstören, was immer mir in die Finger fiel (und das wollte ich in diesem Moment mehr als alles andere), ging ich “nur” in mein Zimmer und versperrte hinter mir die Tür. In mir kochte und bebte es. Der letzte Tropfen war in den Krug meiner Geduld und Langmut gefallen und ließ ihn fast überlaufen. In meinem Zimmer griff ich nach einer Zigarette, rauchte sie gierig und schwor mir hoch und heilig, mich bei meiner Familie nie mehr sehen zu lassen. Ich hatte mehr als genug von ihnen!
Nun, ich denke, daß viele Frauen diese Gefühle kennen. Vor allem jene, die wirklich bemüht sind, ihrer Familie und dem Haushalt gerecht zu werden und deshalb – meines Erachtens nach – auch etwas erwarten könnten. Doch oft sind es gerade diese Frauen, die am wenigsten bekommen.
Jedenfalls folgte nach der ersten Zigarette eine zweite und dann weitere. Sie waren mein “Strohhalm”, meine Hoffnung auf Milderung meines Gefühlszustandes. Doch meine Wut klang lange nicht ab. Immer wieder hatte ich geduldig, aber dann vergeblich darauf gewartet und gehofft, daß meine Familie mich als verletzbares Menschlein zur Kenntnis nahm und als Schlußfolgerung darauf, etwas Rücksicht auf mich nehmen würden.
Nach meinem Rückzug waren einige Minuten verstrichen, als mein Mann an meine Tür klopfte. Eindringlich bat er mich, ihn hereinzulassen, damit wir über die Angelegenheit sprechen konnten. Aber ich wollte weder ihn, noch sonst jemanden sehen und fauchte ihm wütend durch die Tür an, er solle mich in Ruhe lassen. Allein der Gedanke, mich jetzt mit ihm auseinandersetzten zu müssen, ließ Übelkeit in mir aufsteigen. Zaghaft versuchte er es noch einmal und ich hörte durchaus Besorgnis in seiner Stimme. Doch ich schrie aufs Höchste erregt: “Geh bloß weg! Laß mich zufrieden! Ich will keinen von euch sehen!” Danach vernahm ich seine Schritte, die sich entfernten. Was hätte es auch zu reden gegeben? Es würden doch wieder nur die gleichen Argumente sein, die ich schon oft vorgebracht hatte, über die wir schon gesprochen oder gestritten hatten und die letztendlich zu keinem dauerhaften entlastenden Ergebnis für mich geführt hatten. Wozu also immer wieder dieselbe Mühe, die selbe alte Leier? Wenn ich endlich etwas erreichen wollte, dann lag es bei mir, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Wenn meine Familie sich nicht ändern wollten oder konnte, nun gut, dann war das ihr Problem; ich jedenfalls “mußte” etwas für “mich” ändern. So, wie die zweiundzwanzig Jahre vorher, wollte ich nicht mehr leben. Das Leben, das sie mir aufzwangen und das ich zum Teil auch willig mitgemacht hatte, weil ich glaubte, es müsse so sein, war seit längerem nicht mehr lebenswert für mich. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, ob das schon alles für mich gewesen sein sollte? Immer nur die Sorge um den Mann und die Kinder und damit verbunden die Zurückstellung meiner Person. Immer wieder litt ich darunter, daß die Ausübungen meiner natürlichen Fähigkeiten mir in all den Jahre nur deshalb nicht möglich gewesen waren, weil meine Familie mich als ihre persönliche Hausdienerin ansah und mich derart auf Trab hielt, daß kaum Zeit für mich selbst blieb. Doch das mußte nun endlich anders werden, wenn ich nicht untergehen wollte.
Nach einigen Zigaretten fiel mein Blick, der bis dahin vor Kummer richtiggehend umflort war und mir eine klare Sicht verwehrte, auf meinen Computer. Nun erwies es sich als Segen, daß ich ein Jahr zuvor einen Computerkurs belegt und erfolgreich abgeschlossen hatte. Denn was ich dann tat, das mir endlich Erleichterung meines aufgebrachten Zustandes brachte, hätte ich auf einer Schreibmaschine nie zuwege gebracht. Ich setzte mich hin und begann mir meinen ganzen Frust, meinen Haß und all die Wut, die sich in mir angesammelt hatte, von der Seele zu schreiben. Vier Wochen lang schrieb ich wie im Fieber und brachte auf diese Art und Weise ein dickes Manuskript zustande. In diesen vier Wochen ließ ich niemanden, verletzt wie ich mich fühlte, an mich heran. Natürlich versuchten auch meine Söhne mich versöhnlich zu stimmen und baten mich, aus meinem Zimmer zu kommen, aber zum ersten Mal in meiner Ehe verweigerte “ich” mich. Bevor ich mit mir nicht ins Reine kam, würde ich keinem mehr “dienlich” sein. Außerdem waren sie inzwischen wirklich alt genug, einmal selbst für sich zu sorgen.
Trotzdem ließ ich sie nicht ganz im Stich. Sobald ich sicher sein konnte, daß sich keiner von ihnen mehr im Haus aufhielt, wusch ich die Wäsche, kaufte ein und putzte das unbedingt Nötige. Nur das Essen bereitete ich für mich alleine zu und zwang so meine “Männer” selbst damit klar zu kommen. Und sie schafften es!
Es ist schon erstaunlich, was man leisten kann, wenn man muß; das weiß ich nur zu gut. Vier Wochen schreiben. Vier Wochen allein sein. Vier Wochen lang keinen Streit und eben soviel Zeit nachzudenken über meine Situation. Nun ja, das, was ich schrieb, war naturgemäß sehr stark gefärbt von meinen aufgestauten Gefühlen. Jede negative Erfahrung die ich in meiner Ehe gemacht hatte, schrieb ich so gefühlsbetont nieder, wie ich es beim Schreiben noch einmal nachempfand, denn die Wut und der Frust darüber saßen nach den letzten Ereignissen nun wieder fest und dick in meinem Bauch, in meinem Gehirn und in meinem Herzen. Ich ließ kein einziges gutes Haar an meinem Mann und den beiden Buben und rechnete schriftlich mit ihnen ab. Das tat mir unglaublich gut! Endlich mal das Schweigen brechen zu können, um schriftlich darzustellen, was ich mich sonst nicht zu sagen traute oder von dem ich wußte, daß diese Themen Streit und Ärger hervorrufen würden. Ohne daß mir jemand widersprechen konnte schrieb ich alles nieder, was mich seit jeher belastet, geärgert und gekränkt hatte. Es bestand ja keine Gefahr, daß es jemals von jemandem gelesen würde. Und es wirkte! Nach den vier Wochen hatte ich mich weitgehend ausgetobt und war wieder bereit zu Verhandlungen mit meiner Familie. Erleichtert und froh nahmen sie mich in ihrer Mitte auf und versprachen mir, sich zu bessern. Aber natürlich wußte ich es besser! Denn wie üblich würde ihr Vorsatz nur einige Tage oder höchstens ein paar Wochen andauern und dann würden sie in den alten Trott verfallen. Doch nicht mehr mit mir! Zielstrebig ging ich an Arbeiten heran, die ich immer schon gern getan hätte und die ich nur aufgeschoben hatte, um es meiner Familie an nichts fehlenzulassen und tat im Haushalt nur das Notwendigste. Und als die Wochen ins Land gingen und ich das Geschriebene immer wieder einmal überdachte, kam ich auf die Idee, daß vielleicht andere Menschen einen Nutzen daraus ziehen könnten, wenn sie die Aufzeichnungen aus meinem Leben lesen. Und so fing ich noch einmal von vorne an. Vielleicht lesen es ja auch einmal meine beiden Buben und haben dann mehr Verständnis für ihre “schreckliche” Mutter. Und vielleicht haben dann auch andere Menschen, die es lesen, mehr Verständnis für Frauen in ähnlichen Situationen, denn ich bin nicht die Einzige, die lange gelitten hatte, bevor ich meine mir unerträglich gewordene Lage veränderte. Es macht mich immer sehr traurig, wenn ich erfahre, daß nicht alle Menschen fähig sind ihr unerträgliches Leben zu ihren Gunsten zu ändern. Allein im Frühjahr 1996 haben sich zwei Frauen aus meinem Bekanntenkreis das Leben genommen. Ich verstehe, warum sie es taten, denn das eine oder andere Mal gab es auch bei mir Umstände, wo ich dachte, das wäre der einzige Ausweg. Aber meistens ist es nicht so! Es gibt fast immer einen anderen Weg – man muß ihn nur suchen. Ich weiß genau, daß einem gerade dann oft die Kraft für Veränderungen fehlt. In dieser Zeit der Kraftlosigkeit ist es sehr wichtig, erst einmal Abstand zu gewinnen, um zur Ruhe zu kommen und Zeit zum Nachdenken zu finden und dann ergeben sich auch Lösungen. Mir ist es jedenfalls so ergangen. Natürlich ist mir klar, daß jeder Mensch ein Individuum ist und jeder ein anderes Schicksal hat, aber ein erwachsener mündiger Mensch sollte irgendwann in der Lage sein, sein eigenes Schicksal zu bestimmen. Man macht es sich zu leicht, wenn man anderen die Last des eigenen unglücklichen Lebens aufbürdet. Ich für meinen Teil habe immer wieder meinem Leben eine andere Richtung gegeben, wenn der Weg, auf dem ich mich befand, unerträglich wurde. Und oft tat ich das auf eine unübliche Art und Weise. Aber wer sollte mir vorschreiben, was üblich ist und was nicht? Es ist mein Leben! Nur ich kann es leben und nur ich muß verantworten, was ich tue! Das kann mir niemand abnehmen!
In den folgenden Wochen – nachdem ich mich entschlossen hatte, mein Manuskript neu abzufassen – mußte ich mir, da ich im Bücherschreiben ja ungeübt war, überlegen, wie ich am besten daran gehen sollte. Jetzt konnte ich nicht mehr einfach nur darauf los schreiben, wie beim ersten Mal, denn da hatte ich es spontan getan und es war ja für keinerlei andere Augen bestimmt. Und wenn ich es nochmals in Angriff nahm, sollte es Hand und Fuß haben. Die einzige, etwas spärliche Qualifikation zum Bücherschreiben, auf die ich zurückgreifen konnte, war die, daß ich als Schülerin meistens die besten Aufsätze der Klasse geschrieben hatte und einige kleinere Geschichten, die während meiner Ehe entstanden waren und in Aktendeckeln ihr Dasein fristeten. Also brauchte ich zuerst einmal ein Konzept. So zügelte ich meine Ungeduld, einfach drauf loszulegen und notierte mir über viele Monate hinweg alles, was mir zu dem Thema wichtig erschien. Das Buch, das nun daraus entstehen wird, werde ich so objektiv wie möglich schreiben. So gut es mir möglich ist, werde ich versuchen die Ursachen herausfinden, warum meine Ehe nicht so funktionierte, wie ich es mir an ihrem Beginn in meiner kindlichen Naivität erträumt und erhofft hatte. Ich schreibe dieses Buch nicht, um mich an denen zu rächen, die mich leiden ließen. Denn eins muß man den Menschen Zugute halten: Sie tun Schlimmes oft in dem Glauben, nur das Beste zu wollen. Hildegard Fischer, Regensburg den 22. März 1996
Und noch etwas: Alle Geschichten, die man hier lesen kann, entsprechen völlig der Wahrheit. Nichts wurde von mir erfunden. Das war nicht nötig, denn das Leben ist auch so aufregend genug. Ich selbst habe mich früher oft wegen meiner Handlungen geschämt und versucht dann sie zu verbergen. Wesentlich älter geworden lernte ich damit umzugehen, weil ich aus gemachten schmerzlichen Erfahrungen erkannte, daß vieles von dem, was wir tun, dem Gesetz, von „Aktion und Wirkung“ erliegt. Und darum bin ich mir heute nicht mehr böse, wenn ich an meine „Jugendsünden“ denke, denn ich weiß, daß ich damals nicht anders handeln konnte. Erst als junge verheiratete Frau ging mir auf, daß ich mit einer Mutter im Hintergrund, die mich nie so geliebt und behandelt hat, daß ich mich sicher und geborgen fühlte. Ich begriff dann als Ehefrau und Mutter aber auch, daß sie mit 8 Kindern und meinem Vater, der häufigen Sex brauchte, derart überfordert war, daß sie sich emotional zurück zog, um zu funktionieren. Daß ich das erkannte, hat deshalb so lange gedauert, weil ich dachte, ihr Verhalten sei völlig normal – meinen Geschwistern ging es ja ähnlich wie mir. Themen dazu habe ich in den verschiedenen Jahren von 1946 – 2021 erläutert. an denen ich seit Jahren arbeite und die nun vorliegen. Ein Teil davon stammen von „Briefen“, die ich über die Jahre von Freunden, Freundinnen und Familienmitgliedern aufgehoben habe, über nächtliche Träume und Geschichten – auch pikante – die ich mir ausdachte, ebenso wie Kurznotizen zu Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen.
Ach ja, diese Briefe. Sie lagen seit Jahrzehnten abgeheftet in einem Ordner – von mir unbeachtet – und ihr Inhalt geriet in meiner Erinnerung mehr und mehr in Vergessenheit. Und dann verlor ich sie beinahe! Kurz nach meiner Hochzeit fragte ich meinen Mann Josef, ob ich sie vernichten soll. Und wahrlich, wenn er das von mir verlangt hätte, dann hätte ich es auch getan, so groß war mein Wille ihm zu gefallen. Aber er bestand nicht darauf und ich ahnte damals nicht , welch großen Gefallen er mir damit tat. Als ich schließlich den Ordner einmal hervorholte, darin blätterte und den einen und anderen Brief durchlas, war ich inzwischen Mutter von zwei Söhnen geworden. Und ich war gereift, denn ich erkannte nun sofort und mit großer Erleichterung, welch ein Schatz erhalten wurde – zumindest für mich. Diese Briefe bewirkten unter anderem, daß meine Erziehung weitgehendst die richtige Richtung nahm. Oftmals ließen sie mich lächeln, wenn ich daran dachte, welche Fehler meine Söhne gemacht oder Unarten entwickelt hatten, wo andere Eltern straften: In solchen Situationen zog mein Mann dann manchmal höchst erstaunt die Augenbrauen hoch oder schimpfte mich folgendermaßen aus: „Also, ich verstehe NICHT, wie du DA noch lachen kannst!“ Und weil er manchmal recht hatte, beherrschte ich mich bei wichtigen Dingen, denn ich durfte sie nicht in ihrem Fehlverhalten auch noch bestärken. Aber in mich hineinzulachen, daß konnte mir niemand verbieten.
Apropos Strafe: Ich neigen dazu gerade da über zu reagieren, bei Fehlern unserer Kinder, die ich selbst mühevoll bei mir ausgemerzt habe. Geht es Ihnen auch so?
Was mir schließlich beim Lesen meiner Briefe noch auffiel war, daß ich einen rechten Verschleiß an männlichen Bekannten in meiner Jugend hatte. Mit dieser Erkenntnis kam auch die Frage in mir auf, warum das so war. Ich dachte nach und fand die dazu passende Antwort, die ja nahe lag. Es war natürlich meine Mutter und ihr Verhalten mir gegenüber in meiner Kindheit und Jugend. Immer wieder von ihr abgelehnt, war ich so verunsichert, daß ich mich, vor allem Menschen gegenüber, die ich lieben lernte, eigenartig benahm. Diese Verunsicherung vernebelte mein Gehirn und beeinflußte meine Kontrolle über meine Handlungen. Entsprechend benahm ich mich dann im Umgang mit den von mir geliebten Menschen. Die Quittung war, daß sie mich nicht ernst nahmen, weil ich selbst es auch nicht konnte. Mein Verhalten zeigte mir, daß sie mich ausnützen, manipulieren und verletzen konnten, denn ich wehrte mich ja nicht dagegen, weil ich ihnen gefallen und sie behalten wollte – immer eine schlechte Ausgangsposition für eine Freundschaft. Und der eine und andere hat das auch getan oder versucht. Völlig anders war es bei Menschen, die ich zwar gern mochte, aber in die ich nicht verliebt war. Bei solchen entwickelte ich durchaus ein gesundes Selbstbewußtsein, weil keine Angst in mir aufkam, ich könnte sie verlieren. Unbelastet gab ich mich dann so, wie ich war: Lustig oder ernsthaft, temperamentvoll oder einfühlsam, fordernd oder neckend, ehrlich und leider manchmal auch verletzend. Dann kam es vor, daß ich auf einmal von einem männlichen Wesen geliebt wurde, an dem mir nichts lag und das plötzlich recht lästig und aufdringlich wurde. Von den meisten trennte ich mich dann – je nach deren Verhalten – mit mehr oder weniger Skrupel rasch. Weshalb ich an dem einen und anderen länger kleben blieb, kann man den verschiedenen Geschichten entnehmen.
Zum Schluß noch eines: Heute – 2021 – bin ich ein glücklicher, ausgeglichener und zufriedener Mensch! Ich mußte im Leben viel Kummer und Leid ertragen und arbeitete, angetrieben von dem Willen einiger Menschen, die mir nahe standen, manchmal bis zur völligen Erschöpfung. Aber irgendwann habe ich dann begriffen, daß dazu immer Zwei gehören: Der, der das mit dir tut und du, der sich das gefallen läßt. Da habe ich endlich angefangen, dagegen anzugehen und um ein besseres Leben zu kämpfen!


Hildegard Fischer am 6.6.2021